Das neueste Bürgerbegehren - Stellungnahme als Kulturpolitiker

04.04.2016 09:37

Augsburger Theatergeschichte(n)

Die Worte Theater und Ja sind ineinander geschoben und ergeben das Logo TheJater.

Augsburg ist besonders, dies kann man die letzten Tage bei der Frage der dringend erforderlichen Theatersanierung erleben.

Seit Jahrzehnten bröckelt es in der Bausubstanz des Augsburger Stadttheaters, seinen Verwaltungs- und Werkstättengebäuden, da der erforderliche Sanierungszyklus von allen bisherigen Regierungen vor sich her geschoben und vertagt worden ist.
Ergebnis ist, dass das Theater den heutigen Bedingungen und Standards in Sachen Brandschutz, Arbeitsschutz und Barrierefreiheit nicht mehr entspricht.

Konkret gesprochen setzen wir Abend für Abend das Leben der Künstler, Bühnenarbeiter und Zuschauer aufs Spiel, weil mehr als zwei Augen zugedrückt werden von Feuerwehr und Rettungskräften. Wir verlangen von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hinter den Kulissen und in den Werkstätten ein hohes Maß an Idealismus bezüglich der Zumutbarkeit der Arbeitsstätten und wir werden einen Großteil der Zuschauer verlieren auf Grund der demographischen Entwicklung, weil ihnen schlicht der Zugang ins Theater und den Zuschauerraum nicht mehr ausreichend möglich ist. Es handelt sich also nicht um eine Luxussanierung, sondern vor allem um längst überfällige Baumaßnahmen zur Entsprechung der heutigen Standards. Viele der Schäden sind für den normalen Zuschauer nicht sichtbar, vermutlich liegt es auch in der Natur eines Theaters und ihrer Mitarbeiter, dass man durch geschicktes Kaschieren eine Illusion erschaffen hat. Die Notwendigkeit und Dringlichkeit ist dennoch unumgänglich für Augsburg als Kulturstadt.

Es ist dem Einsatz des Augsburger Oberbürgermeisters Dr. Kurt Gribl und des Kulturreferenten Thomas Weitzel zu verdanken, dass sich der Freistaat mit der historischen Summe von 107 Mio. Euro an der Förderung beteiligt und so die schon längst fällige Sanierung ermöglicht. Hinzu kommt, dass die Augsburger Bürgerinnen und Bürger durch ein breites Bürgerbeteiligungsverfahren beteiligt wurden und werden.

Eigentlich sollte man glauben, dass dies zu einer Aufbruchsstimmung in der Augsburger Kulturszene führt.

Augsburg ist hier wieder einmal besonders. Eine Gruppe "Kulturschaffender" sammelt nun Unterschriften, um die Sanierung zu stoppen und im Endeffekt zu verhindern. Nichts anderes bedeutet dieser Sanierungsstopp. Denn ohne die zugesagte Unterstützung des Freistaats, die projekt- und zweckgebunden ist, gibt es keine Sanierung. Ohne Sanierung kein Theater und damit der Verlust der zentralsten Kulturstätte in Augsburg. Eine Öffnung zur Freien Szene hat bereits unter Juliane Votteler begonnen und wird unter André Bücker fortgesetzt, das nur am Rande.

Es handelt sich wie bereits geschrieben mitnichten um eine Luxussanierung, wie die Initiatoren des Bürgerbegehrens unterschwellig behaupten. Verschiedene Varianten wurden geprüft und diskutiert. Eine "kostengünstigere", wie sie die Initiatoren fordern, wird von selbigen nicht vorgeschlagen. Das finde ich zu einfach von Ihnen. Auch die Bürger wurden mit einbezogen und für diejenigen, die sich bisher nicht einbringen konnten, steht seit heute die Onlinebefragung unter www.augsburg.de/theatersanierung zur Verfügung.

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